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Andalusische Lebensfreude


Wenn jemand davon erzählt, wie schön es in Andalusien ist, wovon erzählt er dann? Er erzählt von der schönen Landschaft von den Weißen Dörfern bis hin ans Meer und der Sierra Nevada. Er erzählt von der Blumenpracht an den Häuserwänden, von den Sehenswürdigkeiten in Granada, Sevilla, Cordobá und vom Himmel, der so blau ist, dass er sogar in der Nacht blendet. Er erzählt von der Feria, den schönen Pferden und den schönen Frauen, von der Weite des Meeres. Er schwärmt vom vorzüglichen Essen, dem unübertrefflichen Fisch und dem vollmundigen Wein. Er ist beeindruckt vom Flamenco, diesem Schrei der wilden Seele Andalusiens. Doch in Wirklichkeit berichtet man von einem Flecken der Erde, der so schön ist, weil die Menschen ihn schön sein lassen. Weil die Menschen dort die Schönheit ihres Landes würdigen. Die Einheimischen!


Andalusien und seine Menschen


Ich sage ja immer, beim Flamenco schlägt das Herz  bis in die Füße. Das Wort Tanz kommt vom sanskrit- Wort „tanha“ was Freude bedeutet. Demnach ist Tanz vorwiegend der Ausdruck von Lebensfreude. Und die finde ich bei den Andalusiern irgendwie täglich auch ohne Tanzen.

Während wir in der Bar (also alle Lokale in denen es Tapas und Kaffee, Eis, Bier und Wein gibt, heißen hier Bar. Die haben auch vormittags und abends offen.) beim Puerto de Señor Real sitzen, fällt uns auf, dass wir beispielsweise täglich den jungen Mann mit langen Haaren sehen, der eine ältere magere Frau mit Zopf im Rollstuhl durch die Fußgängerzone schiebt. Mal mit Tüten vom Supermarkt, mal mit Blumen in der Hand, und mal einfach so.  In fast jedem Lokal ist eine rollstuhlgerechte Toilette und viele Sehenswürdigkeiten sind mit Rollstuhlrampe. Ich sehe sogar einmal ein Schild, dass Rollstuhlfahrer klingeln sollen, dann kommt jemand und hilft ihnen. Vielleicht ist hier in Andalusien die Inklusion besser gelungen als bei uns, wo es sogar im Kindertagesstättengesetz geregelt ist aber die wenigsten es geregelt bekommen, weil die Bedingungen noch nicht geschaffen sind.

Behinderung hindert nicht am Fröhlichsein


Vor der Türe spielt ein ca 12 Jahre alter Junge. Er hat schwarze Haut, und am rechten Bein eine Prothese ab dem Knie. Er hat eine kurze Hose an und mit seiner Beinprothese springt er vergnügt über die enge kleine Straße und kickt einen Fussball. Eine Frau gibt ihm einen Schlüssel und ermahnt ihn, vorsichtig nach Hause zu gehen. Er gibt ihr ein Küsschen und sagt, dass sie doch weiß, dass sie sich auf ihn verlassen kann. Er ruft "Adio Mama!", springt fröhlich über die Straße und kehrt nochmal um. Er eilt zu einem Mann, umarmt ihn stürmisch und sagt: „Ah Papa, Du musst auch Besos bekommen.“ Er gibt dem Mann Küsschen und hüpft davon. Sie wirken fröhlich und zufrieden. Insgesamt sehe ich in Jerez drei Kinder mit Beinprothese, die allesamt vergnügt durch die Gegend springen. So als wüssten sie gar nicht, dass sie eine Beinprothese haben. Auf facebook gibt es ein Video,  in dem ein Mädchen im Rollstuhl am Ende der Flamenco- Show mit den Händen Flamenco „tanzt“ und alle dazu Palmas und Jaleos machen. Behinderung hindert nicht am Fröhlichsein.


Glücklich trotz widriger Umstände


Wir lernen Pablo mit seiner Freundin kennen, die nicht seine Freundin, sondern nur eine Freundin ist. Er hat Tourismus studiert, die Freundin Betriebswirtschaft. Beide sprechen Englisch und haben keinen Job. Seine richtige Freundin ist gerade in Madrid, für ein Seminar. Sie hat auch keinen Job. Aber irgendwie sehen sie  trotzdem zufrieden aus.
Carla aus dem Flamencokurs erzählt mir, dass sie in England als Nanny arbeitet, weil sie zuhause keinen Job bekommt. Sie ist Lehrerin. Und sie ist glücklich in dem Land zuhause zu sein, in dem andere Urlaub machen.


Glückspilz mit zwei Jobs


Meist sitzen wir an der Theke. Der Kellner erzählt, dass er zwei Jobs hat. Von Morgens bis Nachmittags arbeitet er wo anders und am Abend hier. Er hat zwei Jobs, weil er auch zwei Kinder hat und geschieden ist. Bei seinem anderen Job verdient er nicht genügend Geld. Wenn er nicht für die Kinder zahlen kann dann geht’s ihm an die Gurgel. Er ist er zu allen freundlich und auch wenn alle Leute gleichzeitig bei ihm bestellen, schnell und immer gut gelaunt. Besser zwei Jobs als keinen.


Wie Monopoly


  Geht man durch die Straßen von Jerez so ist das wie bei Monopoly- von fünf Häusern sind zwei „se vende“- zu verkaufen. Manche Häuser sind noch sehr schön, andere wiederum stehen wohl schon lange leer und sehen heruntergekommen aus. Wenn ich einen Job in Jerez hätte würde ich mir eines dieser schönen Häuser kaufen. Aber in Jerez haben nicht mal die Einheimischen einen Job. Im Guitarrón erzählt uns Carlos, dass die Arbeitslosigkeit so hoch ist, dass sich die Menschen die Häuser in der Stadt nicht mehr leisten können. Die ganze Familie zieht zum Opa und man wohnt entweder in einer kleinen Wohnung oder auf dem Land. Und der Opa mit seiner Rente versorgt alle anderen mit. Da bekommt Familie doch wieder den Sinn, den sie vielleicht mal hatte, nur dass früher die Alten von den Jungen versorgt wurden, und heute lebt die ganze Familie von der Rente der Alten. Und dennoch, so scheint mir, sind die Menschen hier nicht unglücklich. Sie wirken zufrieden, sie sehen gepflegt aus, sie gehen in die Bars, auch wenn sie dort vielleicht den ganzen Abend über nur einen Fino trinken. Es wird gelacht, gesungen und getanzt. Fast überall.


Alleinsein ist ein Problem


Nur eine relativ junge Frau sehen wir täglich. Sie hat kurzes rotes Haar, und hat ein deutliches Alkoholproblem. Wir sehen sie an unterschiedlichen Ecken der Stadt. Sie hastet eilig durch die Straßen und hebt Zigarrettenstummel vom Boden auf. Dann frägt sie jemanden nach Feuer und raucht den Stummel bis zum Filter. Meist hat sie eine Flasche Wein oder einen Tetra- Pack Wein dabei. Aber niemals einen anderen Menschen. Für die Andalusier sind die anderen Menschen und das Soziale Eingebundensein wichtig. Es gilt als unhöflich einen Freund alleine nach Hause gehen zu lassen. Wer alleine ist, hat ein Problem.


Höchste Arbeitslosenzahl in Europa


In der Strandgazette liest man, Andalusien gehört derzeit zu der einkommensschwächsten Region mit der Anzahl der meisten Arbeitslosen in Europa und ist auch eine derer Regionen mit der meisten Jugendarbeitslosigkeit. Den Artikel dazu findet man hier.


..und trotzdem zufrieden und glücklich mit dem Lebensstil


Gabriele Hefele, der Herausgeberin des Residentenkuriers, erzählt mir,  dass es eine Untersuchung des  „Zentrums für Andalusische Studien zur sozialen Realität“ gibt, bei der  die Andalusier angaben, zufrieden mit dem Leben in ihrer Region zu sein, dass sie stark in Andalusien verwurzelt, und glücklich mit ihrem Lebensstil sind. Das kann man hier nachlesen (ganz runterscrollen!).


Menschen machen das Land aus


Wer in Andalusien ist bemerkt es schnell: Egal wie schön eine Gegend auch ist, geprägt, wird sie immer von den Menschen, die sie beleben. Alleine deshalb ist ein Urlaub in Andalusien schön- denn hier sind die Menschen fröhlich, freundlich und zufrieden. Wo immer die Sonne scheint, ist wahrscheinlich auch das Gemüt sonniger- egal wie das Leben ist.


Glück ist ansteckend


Wer jemals Uralub in Andalusien gemacht hat, weiß, das andalusische Glück ist ansteckend. Und weil eine Reise nach Andalusien glücklich macht, sollte man dorthin reisen. Noch glücklicher macht so eine Reise, wenn man sie auch noch gewinnt. Und weil Glück ansteckend ist, habe ich bei der Strandgazette den 3. Preis, eine Reise nach Andalusien, gewonnen. Olé auf die Strandgazette!