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Flamencoaching

Stress- Abbau und Persönlichkeitscoaching durch Flamenco

Flamenco tanzen zur Stressprävention und für die innere Balance und Zufriedenheit.  Flamenco mit seiner Fußarbeit und Power eignet sich hervorragend um Stress abzubauen. Mit gezielten Bewegungen werden Ressourcen aktiviert, die gleichzeitig für mehr Stress- Ressistenz sorgen können.

Beim Coaching geht man davon aus, dass jeder Mensch die Lösungsmöglichkeiten bereits in sich trägt. Der Coach gibt Impulse, die der gecoachten Person  einen Zugang zu den Lösungen ermöglicht. innere Zustände nach außen zu bringen. Flamenco kann durch Dynamik, Rhythmus und Bewegungsform als Mittel genutzt werden, um innere Zustände nach außen zu bringen und Blockaden zu lösen. Im Alltag  kann sich dies unterschiedlich bemerkbar machen,  z.B. verändern sich Körperhaltung und Ausstrahlung, die Präsenz und auch das körperliche Befinden. In Privatstunden werden individuelle Aspekte mit Flamenco bearbetet, innere Zustände werden nach außen transportiert und damit Stress transformiert und inneres Gleichgewicht hergestellt. Flamenco wird hier gezielt genutzt um Wohlbefinden, Stressabbau und eine Weiterentwicklung der Persönlickeit zu erreichen.

Für alle, die Flamenco als Zugang zum Stressabbau, für psychisches Wohlbefinden, sowie zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit nutzen möchten. Eine Stunde gutes feeling mit Flamenco. Für alle Niveaus geeignet, keine Flamenco Kenntnisse erforderlich. Vereinbaren Sie Ihren Termin!

Pro Einheit 79.- Euro

 

 

¡Viva Flamenco!

Das Espectáculo von Korona

Im Flamenco lodert die wilde Seele Andalusiens, hier schlägt das Herz bis in die Füße, hier lässt man´s „krachen“.¡Arriba! Show anfragen

Mit Gitarristen, Tänzerinnen, Kastagnetten und rhythmischem Klatschen bringen wir den andalusischen Wind in jede Veranstaltung. Unser feuriger Flamenco begeisterte noch jedes Publikum!
Wir traten bereits bei Vernissagen, Galas, Kulturveranstaltungen, Messen sowie bei spanischen Fiestas, Firmenfeiern, Weinproben oder Weihnachtsfeiern auf. Noch mehr Auftritte sehen Sie hier. Holen auch Sie sich eine mitreißende und spannende Flamenco-Show ins Haus und erleben Sie eine unvergessliche spanische Nacht.

 

„Adviento andaluz“ - die beliebte Weihnachtsshow

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Sehr beliebt ist auch unsere Weihnachtsflamenco-Show „Adviento andaluz“. Die fröhliche, heitere andalusische Weihnachtszeit erwärmt hier mit Live-Gitarren, Flamenco-Tanz, Kastagnetten und Villancicos (spanische Weihnachtslieder) die Stimmung, mitten im kalten Deutschland. Der Weihnachts-Flamenco „Advent al Andaluz“ ist ein kulturelles Blitzlicht, das mit temperamentvollem Flamenco für Herzenswärme und eine gelungene Weihnachtsveranstaltung sorgt.

Unterschiedliche Darbietungen

Ein Espectáculo von Korona gibt es als kurzen Show-Block mit 30 bis 40 Minuten oder als abendfüllendes Programm. Gerne bieten wir eine Publikumsanimation am Ende der Darbietung - der Garant für gute Stimmung. Wir bringen professionelle Technik und einen Tanzboden für eine perfekte Show mit.

Eine unvergessliche spanische Nacht

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Jede Show von und mit Korona wird eine unvergessliche spanische Flamenco-Show mit Gitarristen, Tänzerinnen, Kastagnetten und rhythmischem Klatschen. Das sorgt für den andalusischen Wind in Ihrer Veranstaltung!
Holen Sie sich richtig feurigen Flamenco ins Haus - und fragen Sie gleich jetzt an. Buchen Sie jetzt und profitieren Sie von unserem ¡Arriba!-Preis inkl. Technik, Flamencoboden und eigenen Technikern. Unser Platzbedarf beträgt 4x3 Meter.
Freuen Sie sich auf eine mitreißende und spannende Flamenco-Show und erleben Sie eine unvergessliche spanische Nacht.
Lesen Sie in der Presse unter: La Gaceta - !Viva Flamenco¡

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Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Ähnlichkeiten mit Namen, Orten, Personen oder Ergeignissen sind pure Absicht- und auch nicht so wahnsinnig wichtig. Falls sich jemand wieder erkennt, soll er einfach über sich schmunzeln.

Wiedererkennungswert

Im „Wiesel“, dem Kultcafe für Studenten, Künstler und Intellektuelle, also für alle nicht ganz normalen, bin ich mit  der Orient- Show bei der Open Stage aufgetreten. Eigentlich nur, weil Epar, der immer diese Open Stage veranstaltete, zu wenig Programm hatte. Epar war ein grandioser Zauberkünstler, und versuchte sich neuerdings als Bauchredner, aber als Bauchredner konnte man ihn ehrlich gesagt den Hasen geben. Er beherrschte die Technik des Bauchredens nicht wirklich, obwohl er Bauch genug gehabt hätte. Man sah seine Mundbewegungen und er verstellte nur die Stimme. Er hatte eine überdimensionale Handpuppe. Ein handgefertigter Außerirdischer. Das machte die Show aber auch nicht besser, auch wenn die Puppe mit den Augen kullern und mit den Antennen wackeln konnte. Seine Bauchrednershow hatte ein wenig Ähnlichkeit mit dem was man im Kindergarten immer sieht, wenn die Erzieherin die Stimme verstellt und so tut als würde die die Tiger- Puppe von der AOK die Brotzeit der Kinder kontrollieren. Außer Epar, mit seiner Star- Wars-  Nummer und uns waren noch ein Jongleur und ein Dadaist dabei. Bis dahin hatte ich noch nie etwas von Dadaismus gehört. Dadaismus sind nicht etwa Geschichten oder Reime, oder Gedichte wie man das vom Poetry-Slam kennt, sondern so etwas wie
 „ jolifanto bambla o falli bambla
großiga m'pfa habla horem
egiga goramen
higo bloiko russula huju“
Von Hugo Ball, beispielsweise. Der war zur Zeit der Weimarer Republik einer der ersten Dadaisten, das weiß schließlich jeder, der nicht als Kulturbanause gelten will. Bis zur open stage war ich auch ein Kulturbanause. Wenn normaler Weise ein erwachsener Mensch derartiges von sich gibt, vermutet man, dass er entweder einen starken Sprachfehler hat, betrunken oder durchgeknallt ist. Man schickt ihn zur Logopädin, zum Rausch ausschlafen oder direkt in die Klappsmühle. Der Dadist aber kam zur Open stage. 
Er trug natürlich keinen Text von Hugo Ball vor, das wäre ja altmodisch. Nein er erfand schon seine eigenen, zeitgemäßen Texte. Das Publikum begann einfach mitten in der dadaistischen Darbietung zu klatschen und hörte erst auf, als er die Bühne verlassen hatte. Das „Wiesel“ war bis auf den letzten Platz voll und nach diesem Programm war es keine besondere Kunst das Publikum zu begeistern. 5 Musiker und eine Tänzerin auf einer Bühne mit 8 Quadratmetern, das alleine ist schon Kunst. Der Auftritt auf dieser winzigen Bühne, machte uns viel Spaß. Ich musste aufpassen, dass ich vorne nicht ins Publikum falle, und hinten nicht den Musikern die Instrumente aus der Hand schlage, oder Mikrophone umwerfe. Aber ich mache ja Bauchtanz und das geht auch auf kleinsten Raum, notfalls ohne einen Schritt zu machen. Das Publikum forderte eine Zugabe. Ich vermutete, dass das Publikum einfach einen weiteren dadistischen Auftritt hinauszögern oder verhindern wollte.
 Nach dem Auftritt kam eine befreundete Schauspielerin, Carolin, und stellte mir Vincent vor. Ein älterer Mann mit Bauchansatz und Glatzenansatz, aber symphatisch. Künstler. Nach ein paar Worten sagte er: „Ich möchte dich was fragen, aber vielleicht gibt’s du mir dann eine Ohrfeige“.  Ich wartete. Er sagte: „Ich habe mir gedacht, wenn du so auf der Bühne tanzt, wie bist du dann wohl im Bett?“ Wie bitte?  Das mit der Sympathie war ein Irrtum. Er ist ein Idiot. Vielleicht hatte er erwartet, dass ich sage: „Genauso wie ich getanzt habe- mit vielen Männern und ich komme noch mal, wenn man Zugabe ruft. Möchtest du es gerne ausprobieren, ja?“  Ich lächelte naiv zurück: “Ach weißt du, wenn ich so auf der Bühne getanzt habe“ und wischte mir den Schweiß von der Stirn, hob die Arme und schnupperte demonstrativ an meinen Achseln, „dann stinke ich nach Schweiß und bin  einfach ganz müde im Bett!“
Also mal allen Ernstes, frägt man eine Ballettänzerin.“Wenn du auf der Bühne deine Beine so hebst, wie machst das dann im Bett?“ Oder frägt man so was vielleicht eine Diplom- Flötistin? „Oh, wenn du so auf deiner Flöte bläst, wie bist du dann im Bett?“
Also, Vincent hat Carolin und mich kurz danach für eine Lesung engagiert. Wir sollten „Drachengeschichten“ lesen und tanzen. Ich hätte ihm doch eine Ohrfeige geben sollen.
 Ich tanzte also mit Drachenmaske im Bauchtanzkostüm und gab, meiner Meinung nach, einen sehr komischen Drachen ab. Carolin meinte nur: „Mit der Maske arbeitest du ganz gut, aber den Busen musst du ruhiger halten, das passt nicht zu einem Drachen.“ Eigentlich wollte ich überhaupt nicht als Drache auftreten. Ich wollte einfach eine ganz harmlose Bauchtänzerin sein. Aber hinter der Maske erkannte mich keiner, darum war es nicht so schlimm, wenn ich mich blamierte. Ich tanzte in einem grünen Kostüm und wedelte den grünen Schleier als Drachenflügel herum. Wenn man mit sinnabsorbiertem Dadaismus und mit albernen Dialogen mit missgebildeten Kuscheltieren auf der Bühne das Publikum ernsthaft unterhalten will, dann ist Tanzen mit Drachenkopf noch harmlos, tröstete ich mich. Ganz hinten stand eine Chinesin. Drachen sind ja immerhin bei den Chinesen Glücksbringer. Dachte ich mir. Nur bei den Augsburgern wird jedes Jahr zu Michaeli der arme Drache in einer kaltblütigen Stecherei öffentlich auf dem Rathausplatz abgemurkst. Und zur Belustigung bringen Eltern ihren kleinen begeistert bei, lauthals mit zu zählen, mit wie vielen Stichen der gute Michael den Drachen erledigt und nennen  diesen blutrünstigen Mörder liebevoll „Turamichele“. Völlig egal wie grausam man ist- Hauptsache man ist auf der richtigen Seite. Ein Chinese fragte mal kopfschüttelnd als er das Michaeli- Spektakel auf dem Rathausplatz sah: „Wieso tötet der Mann das Glück?“ „Vermutlich hat er  mehr Glück als Verstand.“ habe ich geantwortet. Der Chinese lächelte höflich, wie das die Chinesen immer machen. Klar, bei den Chinesen wird fair gekämpft, nicht einfach mit einer Lanze rumgestochert. Man verbeugt sich respektvoll und dann tritt man sich unter lautem Gebrüll gegenseitig ins Gesicht, kugelt sich die Gelenke bei vollem Bewusstsein aus. Sie stecken sich Nadeln in den Kopf um Kopfweh zu lindern! Man verspeist hin und wieder einen niedlichen kleinen Chihuaha zum Abendbrot, aber Drachen töten die nicht. Weil die vielen chinesischen Touristen angesichts dieser Greueltat verschreckt waren, hat man deshalb den Drachen durch eine rote menschenähnliche Gestalt mit Hörnern im erotischen Catsuit ersetzt. Seitdem metzelt das niedliche Turamichele den Teufel nieder und wir machen einen guten Eindruck bei den Chinesen.

Die Drachennummer bei der Lesung war mir genau genommen peinlich. Aber hinter der Drachenmaske wähnte ich mich so gut wie in Sicherheit. Wenige Wochen später kam auf einer türkischen Hochzeit der Vater der Braut zu mir und sagte freudig: „Sie haben doch neulich in der Buchhandlung als Drache getanzt! Ich hab Sie an Ihrem grünen Kostüm wieder erkannt. Nur die Drachenflosse auf dem Rücken fehlt Ihnen heute.“  Ich war irritiert. "Ich  hatte keine Flosse auf dem Rücken, sondern eine Maske im Gesicht." Da lachte der Brautvater schelmisch. "Aber das Oberteil ist doch aufgegangen und hinten weggestanden, da dachte ich mir, dass soll wohl eine Flosse darstellen.“

Es ist also klar, man erkennt mich nicht am Gesicht, sondern am Kostüm, vor Allem, wenn das Oberteil aufgeht. Und immer, wenn eine peinliche Panne passiert ist, kaufe ich mir ein neues Kostüm.


Copyright: Korona; Kopieren, abschreiben, nachplappern, klauen, auch Auszugsweise ist nicht erlaubt.

Andalusische Lebensfreude


Wenn jemand davon erzählt, wie schön es in Andalusien ist, wovon erzählt er dann? Er erzählt von der schönen Landschaft von den Weißen Dörfern bis hin ans Meer und der Sierra Nevada. Er erzählt von der Blumenpracht an den Häuserwänden, von den Sehenswürdigkeiten in Granada, Sevilla, Córdoba und vom Himmel, der so blau ist, dass er sogar in der Nacht blendet. Er erzählt von der Feria, den schönen Pferden und den schönen Frauen, von der Weite des Meeres. Er schwärmt vom vorzüglichen Essen, dem unübertrefflichen Fisch und dem vollmundigen Wein. Er ist beeindruckt vom Flamenco, diesem Schrei der wilden Seele Andalusiens. Doch in Wirklichkeit berichtet man von einem Flecken der Erde, der so schön ist, weil die Menschen ihn schön sein lassen. Weil die Menschen dort die Schönheit ihres Landes würdigen. Die Einheimischen!


Andalusien und seine Menschen


Ich sage ja immer, beim Flamenco schlägt das Herz  bis in die Füße. Das Wort Tanz kommt vom sanskrit- Wort „tanha“ was Freude bedeutet. Demnach ist Tanz vorwiegend der Ausdruck von Lebensfreude. Und die finde ich bei den Andalusiern irgendwie täglich auch ohne Tanzen.

Während wir in der Bar (also alle Lokale in denen es Tapas und Kaffee, Eis, Bier und Wein gibt, heißen hier Bar. Die haben auch vormittags und abends offen.) beim Puerto de Señor Real sitzen, fällt uns auf, dass wir beispielsweise täglich den jungen Mann mit langen Haaren sehen, der eine ältere magere Frau mit Zopf im Rollstuhl durch die Fußgängerzone schiebt. Mal mit Tüten vom Supermarkt, mal mit Blumen in der Hand, und mal einfach so. In fast jedem Lokal ist eine rollstuhlgerechte Toilette und viele Sehenswürdigkeiten sind mit Rollstuhlrampe. Ich sehe sogar einmal ein Schild, dass Rollstuhlfahrer klingeln sollen, dann kommt jemand und hilft ihnen. Vielleicht ist hier in Andalusien die Inklusion besser gelungen als bei uns, wo es sogar im Kindertagesstättengesetz geregelt ist aber die wenigsten es geregelt bekommen, weil die Bedingungen noch nicht geschaffen sind.

Behinderung hindert nicht am Fröhlichsein


Vor der Türe spielt ein ca 12 Jahre alter Junge. Er hat schwarze Haut, und am rechten Bein eine Prothese ab dem Knie. Er hat eine kurze Hose an und mit seiner Beinprothese springt er vergnügt über die enge kleine Straße und kickt einen Fussball. Eine Frau gibt ihm einen Schlüssel und ermahnt ihn, vorsichtig nach Hause zu gehen. Er gibt ihr ein Küsschen und sagt, dass sie doch weiß, dass sie sich auf ihn verlassen kann. Er ruft "Adio Mama!", springt fröhlich über die Straße und kehrt nochmal um. Er eilt zu einem Mann, umarmt ihn stürmisch und sagt: „Ah Papa, Du musst auch Besos bekommen.“ Er gibt dem Mann Küsschen und hüpft davon. Sie wirken fröhlich und zufrieden. Insgesamt sehe ich in Jerez drei Kinder mit Beinprothese, die allesamt vergnügt durch die Gegend springen. So als wüssten sie gar nicht, dass sie eine Beinprothese haben. Auf facebook gibt es ein Video,  in dem ein Mädchen im Rollstuhl am Ende der Flamenco- Show mit den Händen Flamenco „tanzt“ und alle dazu Palmas und Jaleos machen. Behinderung hindert nicht am Fröhlichsein.


Glücklich trotz widriger Umstände


Wir lernen Pablo mit seiner Freundin kennen, die nicht seine Freundin, sondern nur eine Freundin ist. Er hat Tourismus studiert, die Freundin Betriebswirtschaft. Beide sprechen Englisch und haben keinen Job. Seine richtige Freundin ist gerade in Madrid, für ein Seminar. Sie hat auch keinen Job. Aber irgendwie sehen sie  trotzdem zufrieden aus.
Carla aus dem Flamencokurs erzählt mir, dass sie in England als Nanny arbeitet, weil sie zuhause keinen Job bekommt. Sie ist Lehrerin. Und sie ist glücklich in dem Land zuhause zu sein, in dem andere Urlaub machen.


Glückspilz mit zwei Jobs


Meist sitzen wir an der Theke. Der Kellner erzählt, dass er zwei Jobs hat. Von Morgens bis Nachmittags arbeitet er wo anders und am Abend hier. Er hat zwei Jobs, weil er auch zwei Kinder hat und geschieden ist. Bei seinem anderen Job verdient er nicht genügend Geld. Wenn er nicht für die Kinder zahlen kann dann geht’s ihm an die Gurgel. Er ist er zu allen freundlich und auch wenn alle Leute gleichzeitig bei ihm bestellen, schnell und immer gut gelaunt. Besser zwei Jobs als keinen.


Wie Monopoly


 Geht man durch die Straßen von Jerez so ist das wie bei Monopoly- von fünf Häusern sind zwei „se vende“- zu verkaufen. Manche Häuser sind noch sehr schön, andere wiederum stehen wohl schon lange leer und sehen heruntergekommen aus. Wenn ich einen Job in Jerez hätte würde ich mir eines dieser schönen Häuser kaufen. Aber in Jerez haben nicht mal die Einheimischen einen Job. Im Guitarrón erzählt uns Carlos, dass die Arbeitslosigkeit so hoch ist, dass sich die Menschen die Häuser in der Stadt nicht mehr leisten können. Die ganze Familie zieht zum Opa und man wohnt entweder in einer kleinen Wohnung oder auf dem Land. Und der Opa mit seiner Rente versorgt alle anderen mit. Da bekommt Familie doch wieder den Sinn, den sie vielleicht mal hatte, nur dass früher die Alten von den Jungen versorgt wurden, und heute lebt die ganze Familie von der Rente der Alten. Und dennoch, so scheint mir, sind die Menschen hier nicht unglücklich. Sie wirken zufrieden, sie sehen gepflegt aus, sie gehen in die Bars, auch wenn sie dort vielleicht den ganzen Abend über nur einen Fino trinken. Es wird gelacht, gesungen und getanzt. Fast überall.


Alleinsein ist ein Problem


Nur eine relativ junge Frau sehen wir täglich. Sie hat kurzes rotes Haar, und hat ein deutliches Alkoholproblem. Wir sehen sie an unterschiedlichen Ecken der Stadt. Sie hastet eilig durch die Straßen und hebt Zigarrettenstummel vom Boden auf. Dann frägt sie jemanden nach Feuer und raucht den Stummel bis zum Filter. Meist hat sie eine Flasche Wein oder einen Tetra- Pack Wein dabei. Aber niemals einen anderen Menschen. Für die Andalusier sind die anderen Menschen und das Soziale Eingebundensein wichtig. Es gilt als unhöflich einen Freund alleine nach Hause gehen zu lassen. Wer alleine ist, hat ein Problem.


Höchste Arbeitslosenzahl in Europa


In der Strandgazette liest man, Andalusien gehört derzeit zu der einkommensschwächsten Region mit der Anzahl der meisten Arbeitslosen in Europa und ist auch eine derer Regionen mit der meisten Jugendarbeitslosigkeit. Den Artikel dazu findet man hier.


..und trotzdem zufrieden und glücklich mit dem Lebensstil


Gabriele Hefele, Herausgeberin des Residentenkuriers, erzählt mir,  dass es eine Untersuchung des  „Zentrums für Andalusische Studien zur sozialen Realität“ gibt, bei der die Andalusier angaben, zufrieden mit dem Leben in ihrer Region zu sein, dass sie stark in Andalusien verwurzelt, und glücklich mit ihrem Lebensstil sind.


Menschen machen das Land aus


Wer in Andalusien ist bemerkt es schnell: Egal wie schön eine Gegend auch ist, geprägt, wird sie immer von den Menschen, die sie beleben. Alleine deshalb ist ein Urlaub in Andalusien schön- denn hier sind die Menschen fröhlich, freundlich und zufrieden. Wo immer die Sonne scheint, ist wahrscheinlich auch das Gemüt sonniger- egal wie das Leben ist.

 

Korona; 2015

 


Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Ähnlichkeiten mit Personen, Orten, Namen, Situationen sind volle Absicht, aber auch nicht von großer Bedeutung. Wer sich wiedererkennt soll einfach darüber schmunzeln.

Künstlernamen


Zu jedem Künstler gehört auch ein Künstlername. Der private Name ist für den privaten Mensch.  Die Eltern nennen einen so, man wächst damit auf und irgendwie passt man zu seinem Namen.
 Mit dem Künstlernamen ist das etwas anderes. Den suchen wir uns aus. Den können wir anziehen, wie unser Kostüm und den Alltag und den bürgerlichen Namen in der Gardarobe lassen.
Er ist eine zweite Identität. Wir stellen etwas dar, und das muss im Namen zu finden sein.  Noch besser, am Namen soll man gleich erkennen, welche Kunst man macht. So was wie „Der reitende Sänger“, da weiß jeder was los ist. Oder „Die zauberhaften Montanas“, da ist klar, die zaubern. „Die10 Tenöre“ auch logisch, „Der Schmiechener Gospelchor“, und die „Zillertaler Schürzenjäger“...
Die Flamenco- Künstler geben sich immer zusätzliche „Titel“ So etwas wie „la gitana rubia“, die blonde Zigeunerin, oder
 „la delgada“, das heißt die Schlanke, und man weiß sofort weshalb diese Tänzerin diesen Namen hat. Dicker werden darf sie halt nicht. 
Missverständlich wird es dann bei „la espiga“, das könnte die Weizen- Ähre sein, aber auch das Fischgrätenmuster. Ich weiß ja nicht, wie ich mir den Tanz eines „Fischgrätenmusters“ vorstellen soll.
Bauchtänzerinnen legen auch sehr viel Wert auf ausgeklügelte und exotische Namen.
Wenn man „Fatima Morgana“ hört, geht es vermutlich um eine Bauchtänzerin, die allerdings entweder  nicht da, oder nicht echt ist. Oder zuminderst Teile von ihr.
Ein bisschen mulmig wäre es mir hingegen als Bauchtänzerin „Sheherazade“, musste die ärmste doch 1001 Nacht um ihr Leben bangen. Außerdem konnte sie zwar gut erzählen, aber es wurde nie berichtet, dass sie tanzen könnte.
Mit Namen wie „Ayhura“ oder „Ala Nar“ sollte man vielleicht vorsichtiger sein. So eine „Ayhura“ ist klingt eher wie eine Stripperin im Orientkostüm mit Fullservice.
Unter „Ala Nar“, stelle ich mir jemand sehr lustiges mit bunter Schellenmütze vor, der nur dazu engagiert wird, um bei der Bäckertaufe beim Mittelalter- Spektakel ins Wasser getunkt zu werden.
Genau genommen  klingt es  für eine Bauchtänzerin natürlich schon besser, wenn sie Rastan statt Renate oder Sabahar statt Sabine heißt.
Also musste auch ich mir damals als Bauchtänzerin einen Künstlernamen zu legen.
Wie sollte man mich denn ansagen? „Freuen Sie sich nun auf einen Zauber aus 1001 Nacht. Auf die Magie der rollenden Hüften. Auf den faszinierenden Bauchtanz der charmanten  - Sigrid.“?
Mein Vater war auch Künstler, Unterhaltungskünstler. Der hieß aber immer gleich. Hans. Er brauchte gar keinen Künstlernamen, weil er  von Geburt an Unterhaltungskünstler war. Einfach Hans. Zuhause Hans, auf der Bühne Hans. Hans Dampf in allen Gassen.
Nur meine Oma nannte ihn immer „Hansi“. Das hat mich an Wellensittiche erinnert, die aufgescheucht durchs Zimmer fliegen,  Wind machen, Federn verlieren und auf die Tageszeitung scheißen. „Hans“ war mir für meinen Vater lieber. Mein Vater fand auch, dass ich einen Künstlernamen bräuchte.
„Freili, Kartofferl, freili brauchst du an Künstlanama!“ Er nannte mich immer „Kartofferl“, und fand das ziemlich originell.  Wenn ich heute noch alten Bekannten meiner Eltern begegne, und ich ihnen sage
 „Ich bin die Tochter vom Kröger Hans“, dann sagen manche allen Ernstes: „Hm, ich weiß, dass er zwei Töchter hatte. Die Astrid. Und dann war da noch das Kartofferl. Und welche sind jetzt Sie?“
Einmal wollte ich so tun, als ließe ich eine skandalöse Bombe platzen und sagte: „Ich bin die Tochter, von der keiner etwas weiß. Die einzige aus der etwas Vernünftiges geworden ist.“ Aber meistens sind ja die Menschen, die gerade nicht da sind und aus denen etwas Unvernünftiges geworden ist, interessanter. Deshalb wurde ich gefragt:  „Ach, na so was, was ist denn aus der Astrid und dem Kartofferl geworden?“
Ich sagte dann „Die Astrid ist Politikerin bei einer buddhistischen Partei und aus dem Kartfofferl sind vermutlich Kartoffelpuffer geworden- oder Pommes. So genau weiß das keiner. Nicht mal der Hans, weil der ist ja schon gestorben, und deshalb Hans Wurscht geworden.“ Also, das Kartofferl brauchte einen Künstlernamen, und mein Vater fühlte sich wohl autorisiert mir mein Leben lang irgendwelche einfallsreichen Namen zu geben und hat mir zu der Sigrid und dem Kartofferl noch einen Künstlernamen verpasst.  „I hob an guadn Nama für di: Osma, die Frau mit dem magischen Nabel.  Do woas a jeder glei, aha, Osmanisches Reich, des muas a Bauchtänzerin sei. A bar Visitenkartn hob i a glei gmacht“  Und weil er auch gleich einige Visitenkarten unters Volk gebracht hatte, war ich ab da „Osma , die Frau mit dem magischen Nabel“. Die Leute konnten sich den Namen zum Teil merken, allerdings vorwiegend den „magischen Nabel“. Erstmals ins Zweifeln über diesen Künstlernamen kam ich, als bei einer Faschingsfeier jemand mit einer Parodie von einem bauchtanzenden Männerballett gerechnet hatte.
Schwierig war es mit diesem Namen in den orientalischen Kreisen.
Eine türkische Moderatorin sagte mal zu mir: „Das kann ich so nicht ansagen. Das ist bei uns ein Männername“ „Wie, ein Männername? Osma, nicht Osman“- antwortete ich. „Das ist egal, Osman ist ein Männername und Osma klingt genauso.“ 
Daraufhin frage ich meinen türkischer Freund Mehmet, Trommler und Bauchtänzer,. “Wieso hast du mir noch nie gesagt, dass dieser Name für türkische Kreise unmöglich ist?“ Er sagte dann: “Ach weisch, die Türken wieder. Ich bin ein Mann, bin Türke und ich hab einen türkischen Männername.  Und ich mach Bauchtanz. Wenn ich als Mann mit Männername bauchtanze, dann kannsch du als Frau auch mit Männername bauchtanzen. Wir sind in Deutschland, wir sind gleichberechtigt!“
Dann kam das entscheidende Erlebnis: Ich war engagiert für den Geburtstag der Wirtin vom „Roten Stier“ in Augsburg. Sie hatte einen Alleinunterhalter und eine Menge geladener Gäste und vom vielen Anstoßen einen Schwipps. Ich zog mich im Obergeschoss um. Nach einem Weilchen kam die Wirtin:
 „Der Alleinunterhalter fragt, wie er Sie ansagen soll:“
 „Er soll sagen, Osma, die Frau mit dem magischen Nabel“
„Oh, das ist aber viel. Ob ich mir das merken kann? Also wie noch mal?“
 „Osma, die Frau mit dem magischen Nabel“.
 „Aja, Nabel, das ist ja klar, Bauchtänzerin mit Nabel. Wie noch mal der Name? Os,Os,“
„Osma. Osma kommt vom Osmanischen Reich, das ist ganz einfach.“ 
„Na, gut, also Osma mit dem magischen Nabel.“
Ich hörte sie, wie sie die Treppen hinuntertippelte und sich immer vorsagte.“ Osma, die Frau mit dem magischen Nabel. Osma, die Frau mit dem magischen Nabel, Osma mit dem Nabel, Nabel, Frau, Osma..“…
 Nach einigen Minuten ging ich auch nach unten, und wartete vor der Türe, bis ich angesagt wurde. Ich stand nervös vor der Türe und schüttelte meine Hüften warm .
Da hörte ich den Alleinunterhalter sagen: “Was? Wie heißt die?“
Ich dachte mir, wieso tut der so blöd?
„Das kann ich doch nicht sagen.“
Meine Güte, was ist jetzt daran so schlimm?  Jetzt mach schon die Ansage.
„Doch, doch, das hat sie gesagt.“ erwiderte die Wirtin. 
„Was, so heißt die?“
So ein Idiot. Was ziert der sich so? Der soll mich jetzt ansagen und meine Musik anmachen. Ich bin nervös!
 Dann hörte ich den  Tusch.:
“Meine Damen und Herren, jetzt zum Höhepunkt des heutigen Programms! Tusch! Jezt kommt die einmalige Darbietung von..:“ Tusch!
 „Von –Frau- Oswald (Pause)  mit dem damischen Magen!“ Tusch!
Die Türe wurde aufgehalten. Das Publikum lachte.

„Spinnst du?! Was sagst du da! Nach so einer Ansage tret ich doch nicht auf!“ raunzte ich den Alleinunterhalter an.
“Das hat die Wirtin so gesagt, und drauf bestanden, dass ich dich so ansagen soll.“  Er bemühte sich um ein entschuldigendes Lächeln.
„Osma mit dem Magischen Nabel-. Sag das sofort richtig, Du, Du Alleinunterhalter!“ fauchte ich.
Er spielte erneut einen Tusch. „Meine sehr verehrten Damen und Herren. Natürlich war das ein kleiner Witz!“
Ha ha ha! Wahnsinnig witzig!
. „Jetzt kommt die Bauchtänzerin“ Tusch! „Osma, mit dem magischen Nabel!“ Tusch. Jetzt lachte das Publikum erst recht! 
Ich hörte, wie das Publikum sich amüsierte, johlte und witzelte.
„Ahahaha. Bauchtänzerin mitm damischen Magen!“ „Ilse die hot wohl von deim alten Kartoffelsalat gessa!“
„Hohoho An Bauchtanz ka i o macha, Bauch hätt i gnua!“

Ich bin eine ernst zu nehmende Künstlerin!

Heute ist mein Künstlername Korona, wie die Krone- der Strahlenkranz um die Sonne bei der absoluten Sonnenfinsternis.
Am Ende meiner Auftritte sage ich immer:
„Ich bin Korona. Weil Bauchtanz die Krönung einer jeden Feier ist! Wenn es Ihnen gefallen hat, empfehlen Sie mich weiter, wenn nicht- behalten Sie`s für sich.“


Copyright: Korona; Nachdruck, Kopieren, Abschreiben, Klauen, Nachplappern, auch Auszugsweise ist verboten.

Flamenco auf Spanisch

Wer als Flamenco- Tänzerin aufritt wird häufig gefragt: „Woher können Sie Flamenco, sind Sie Spanierin?“ Wenn ich ehrlich bin, sage ich dann „Nein ich bin keine Spanierin, ich musste dafür üben.“ Oft kommt dann: „Oh, dafür war das aber wirklich gut. Wissen Sie, ich habe schon einmal einen echten Flamenco in Spanien gesehen- Sie haben das genauso gut gemacht wie die Spanierinnen dort.“ Ich weiß dann nicht, ob ich mich geschmeichelt fühlen sollte, weil die Person ja schließlich „echten“ von  „unechtem“ Flamenco unterscheiden kann, obwohl ich, und vermutlich sie selbst, die Kriterien dafür nicht kenne. Anfangs war ich immer recht pikiert, denn man kann auch Flamenco können, ohne dass man Spanierin ist und ohne damit geboren zu sein.
Schließlich ist das meiste nicht Talent, sondern Ausdauer und Training. Es ist ja auch fraglich, ob jede Spanierin, nur weil sie Spanierin ist automatisch Flamenco kann. Immerhin kann auch nicht jeder Bayer jodeln oder platteln!

„Echter Flamenco in Jerez“

Will man also als Flamencotänzerin ernst genommen werden, muss man schon wenigstens einmal einen Flamenco- Kurs in Spanien absolviert haben.
Also schrieb ich mich für die Zeit meines Urlaubes in einen Flamenco- Kurs in Jerez ein. Jerez sei die Wiege des Flamencos, also ist dort wohl ein guter Platz um echten Flamenco zu lernen.
Ich komme zwar einen Tag später an als der Kurs beginnt, dafür bin ich bin eine Stunde zu früh dran, weil ich einkalkuliert habe, nicht hinzufinden, nachdem wir uns dauern in Jerez verirren. Zur Tanzschule haben wir aber auf Anhieb gefunden. Dank Stadtplan. Gut dass wir uns sonst verirren, und ich deshalb heute zu früh dran bin, denn der Kurs beginnt nämlich heute eine viertel Stunde früher. Er hat gestern nicht stattgefunden. Die Tanzlehrerin hat den Tag verwechselt und lag gestern noch am Strand. In der Garderobe spricht mich eine Spanierin an, wie ich heiße und woher ich sei. Nachdem ihr wohl zu mühsam war mein spanisches Gestöpsle zu verstehen, spricht sie Englisch mit mir weiter. Sie heißt Carla sagt sie und sie wohnt in London. Wir gehen in den Kursraum.
Der Kursraum dampft noch vom vorherigen Kurs, im Eck raucht es, nach genauerem Hinsehen sehe ich, dass die Klimaanlage dampft. Draußen hat es 36 Grad, hier drin vermutlich 40. Nach 10 Minuten ist es allerdings etwas kühler. Es sind schon einige da, die verständnislos auf meine Füßlinge starren, die aus meinen Schuhen herauslugen. Sie sind weiß und mit Spitze und wenn ich jetzt so hinschaue, sieht es aus, wie bei meiner Großmutter, als sie Bettschuhe anhatte.

Heiße Füße, rauchender Kopf beim Warm up

Die Lehrerin beginnt das Warm up in einem Tempo, das für mich eigentlich Höchstgeschwindigkeit darstellt. Mit meinem mikrigen Spanisch verstehe ich kein Wort was die Lehrerin sagt, und verstecke mich ganz hinten, damit sie mich nicht sieht und anspricht. Es wäre sowieso egal was sie sagt, ich könnte die Schritte trotzdem nicht. Der Weg vom Hirn zu den Füßen ist einfach zu weit, um das alles gleich so schnell zu können.
Um die Uhrzeit, zu der der Kurs eigentlich beginnen würde, könnte ich bereits wieder aufhören. Ich bin durchgeschwitzt wie ich sonst nach einer Stunde joggen schwitze. Eindeutig, ich jogge zu langsam. Ich komme bereits jetzt nicht mehr mit, weil ich mir das alles gar nicht merken kann. Alle anderen tanzen munter die Schritte mit und es sieht aus, als würden die alles total schnell kapieren. Ich glaube, ich bin schwer von Begriff. Nach dreißig Minuten denke ich mir, dass ich jetzt eigentlich gehen könnte, was ich nun schon alles gelernt habe, reicht sowieso für die nächsten 6 Monate um es ordentlich zu verinnerlichen.
Eine tanzt schon fast mit, während die Lehrerin die Schritte nur zeigt. Ganz vorne tanzt eine ganz junge auch ziemlich fehlerlos und ohne Lücken mit. Sie heißt Martha. Die Lehrerin meint es gut mit uns und macht auch noch fünfzehn Minuten länger Unterricht. Obwohl ich eigentlich schon nach der Halbzeit völlig am Ende war, habe ich doch bis zum Ende mitgemacht.
Wenigstens sind die anderen genauso erledigt wie ich. Mein T- Shirt ist so nass, als hätte ich es eben aus der Waschmaschine geholt. In der Garderobe komme ich mit einer Engländerin ins Gespräch. Sie sagt, sie kommt bereits das dritte Jahr hierher und ihr ging es am Anfang wie mir, aber es bringt einen weiter.

Immer cool bleiben!

Vor der Tür wartet mein Mann und hat sich gleich munter mit Carlas Freund unterhalten. Er ist Engländer und lebt mit Carla in London. Zurzeit sind sie zu Besuch hier, Carla ist von hier. Als die Türe der Tanzschule zugesperrt wird, bemerke ich, dass ich meine Tasche vergessen habe. Mit allem Geld und Pass. Die Tanzschulcheffin sperrt noch mal auf, damit ich meine Tasche holen kann.
Am zweiten Tag freue ich mich, dass ich wenigstens den Anfang noch kann, aber dann geht es auch schnell weiter und ich merke mir nur die Hälfte. Heute denke ich mir, dass das Prinzip der Schritte schnuppe ist, ich mogle mich einfach durch, Hauptsache es klingt wie bei den anderen und ich stehe zur richtigen Zeit still und kapiere die Armbewegungen. Nach zwanzig Minuten hab ich genug, ich wäre froh wenn nun endlich die Stunde um wäre. Ich kann nichts mehr und komm mir mit meinem Geschwitze und Getrappel vor wie ein Kutschpferd. Die links neben mir heißt Marie- Rosa und kommt aus Barcelona. Sie kann kein Englisch und ich kaum Spanisch, dafür verstehen wir uns gut. Sie hat in Barcelona eine Flamenco- Schule und kommt jedes Jahr hierher und kennt die Schritte bereits.
Außer mir und der Engländerin sind alle Spanierinnen. Nach dem Kurs schwitze ich vor der Türe fertig und Carla empfiehlt uns zur Erholung am den Strand von Conil zu fahren. Die Tanzlehrerin ist ganz offensichtlich mit den zwei schnellen jungen Spanierinnen befreundet. Sie gehen zusammen zum Auto. Ich bemerke, dass ich meine Tasche schon wieder drinnen vergessen habe, Carla ruft der Tanzlehrerin nach, dass sie die Türe noch mal öffnen soll. Wir nehmen Carla mit in die Stadt. Sie erzählt, dass ihr Freund heute wieder nach London zurück musste. Früher war sie bereits bei dieser Lehrerin wöchentlich im Kurs, und seit sie in London ist, kommt sie alle Ferien her und macht die Kurse bei ihr mit. Eigentlich ist sie Grundschullehrerin aber weil sie hier keinen Job bekommt, arbeitet sie als Nanny in London und verdient sich mit Flamenco- Unterricht etwas dazu. Sie meint, dafür, dass ich noch nie in Spanien Flamenco gelernt habe, mache ich es gut. Sie kennt die Schritte ja bereits.

Am dritten Tag tanzt ein junger Spanier vor dem Spiegel herum. Er hat ein T- Shirt mit der Aufschrift „Taxi“ an, und wird von zwei Touristinnen fotografiert. Er hopst hier nur für´s Foto rum, im Kurs ist er nicht. Die Lehrerin sagt, sie würde nun gerne mit dem Unterricht beginnen, ob sie woanders weiter fotografieren können. Ich kann das Gelernte von gestern nicht mehr und das Neue kann ich erst recht nicht. Nach 40 Minuten habe ich die Schnauze voll und überlege, ob ich einfach gehen soll. Ich bleibe, weil es gerade so spannend ist. Die Lehrerin zeigt nämlich einen Schritt, den ich super eindrucksvoll finde. Sie sagt das sei für Bulerías "muy typico". Leider kapier ich ihn nicht. Ich erfahre später, dass alle hier außer der Rosa- Marie, Carla und der Engländerin im wöchentlichen Kurs sind, und dass alle diese Schritte schon kennen. Damit kann ich mit mir doch zufrieden sein. Ich schwitze vor der Türe aus und vergesse wieder meine Tasche. Als die Tanzlehrerin schon beim Gartentor ist, ruft ihr Carla nach, das sie nochmal aufschließen soll.

Die Luft ist raus

Ich habe blaue Flecken auf den Oberschenkeln vom Patschen auf die Schenkel und glaube es würde eigentlich reichen mit dem Kurs. Ich überlege täglich, ob ich mir diese Qual nun schon wieder antun soll schließlich habe ich Urlaub. Aber ich gehe trotzdem immer wacker zum Kurs, schließlich bin ich konsequent und zielstrebig. Heute habe ich erst nach 60 Minuten die Schnauze voll. Ich traue mich nicht eine Minute zu schwänzen, ich könnte dann schon drei Schritte versäumen. Deshalb trinke ich keinen einzigen Schluck Wasser und trockne mein Gesicht nicht mit dem Handtuch, denn beim Wischen über das Gesicht könnte ich etwas nicht sehen, was sie gerade zeigt. Ich muss mir alles durch das Zuschauen erschließen, denn was sie sagt verstehe ich nicht. Ich glaube, die Lehrerin weiß gar nicht, dass ich sie nicht verstehe, denn ich frage ja nichts und bin immer still. Manchmal schüttle ich nur den Kopf, wenn ich was kapiert habe nicke ich und wenn ich es sogar kann, lächle ich. Wahrscheinlich meint sie, ich bin taubstumm. Ich bin immer einen Schritt hinterher, denn bis ich kapiere, was wir machen, sind die anderen schon weiter. Bei den Schritten, die ich absolut nicht kann, stelle ich mich hin und überbrücke die Zeit mit strengem Geschaue und setze dann wieder ein, wenn ich weiß was kommt. Ich vergesse wieder meine Tasche, und bemerke es heute schon früher, während die Lehrerin zuschließt.
Am letzten Tag habe ich einen Kater. Leider habe ich am Abend zuvor drei Fino getrunken. Man ist davon dicht, aber man merkt es nicht. Eigentlich bekommt man vom Fino keinen Kater.  Aber mir ist so übel, dass ich weder Kaffee noch Wasser trinke. Ich esse nichts und lege mich wieder hin. Ich will nicht zum Kurs gehen, ich habe genug gelernt, alle anderen können das, weil sie schon seit Jahren den Kurs machen und ich humple immer hinterher. Ich bin todkrank, wahrscheinlich sterbe ich jetzt. Und Flamenco ist sowieso Scheiße. Ich will nie wieder etwas mit Fino oder Flamenco zu tun haben. Überhaupt dieses Spanien! Mein Mann sagt, ich dürfte doch am letzten Tag nicht schlapp machen, ich müsste mich schon verabschieden. Gut, ich gehe hin. Die Engländerin hat Schmerzen in der Hüfte und macht Yogaübungen. Carla sagt, man nennt den Kater auf Spanisch „resaca“, ich würde das beim Tanzen herausschwitzen.

Diplome muss man sich verdienen

Die eine schnelle junge Spanierin ist nicht da. Rosa- Marie geht nach fünfzehn Minuten wieder, sie hat blutige Blasen an den Füßen. Ich liebe meine weißen Füßlinge. Um die Uhrzeit, um die ich normaler Weise genug habe und gehen will, ist heute mein Kater weg . Carla geht eine viertel Stunde vor Schluss, sie muss ihre Mutter zum Arzt fahren. Heute gibt es die Diplome, sagt die Tanzschulcheffin. Die schnelle junge Spanierin kommt 10 Minuten vor Schluss in Plateau- Schuhen, sie möchte heute nicht tanzen, nur das Diplom abholen. Die Lehrerin spricht etwas zu uns ich verstehe kein Wort, ich vermute sie sagt etwas Tröstendes. Ich frage die Engländerin, was sie sagt, und sie sagt, dass die Lehrerin sagt, es wird schon noch, wenn man es immer wieder anwendet. Was ich aber schon kapiere, ist, dass man nun die Choreographie vortanzen muss, um das Diplom zu bekommen. Die, die vorher gegangen sind, haben das Diplom mitgenommen. Martha tanzt alleine. Die anderen kneifen, in dem sie filmen, oder in Plateauschuhen da stehen. Ich will auch kneifen, habe aber kein Handy um zu filmen. Ich stehe in der Ecke und schaue auf den Boden, in der Hoffnung die Lehrerin übersieht mich ganz einfach. Die Lehrerin fordert mich und die Engländerin auf, wir müssen vortanzen. Martha tanzt mit, wir können auf sie schauen. Wir quälen uns durch die gesamte Bulería und sind stolz auf uns. Immerhin waren wir die einzigen, die sich das Diplom bis zum Ende verdient haben. Es steht "Certifica" drauf aber wird "Diploma" genannt. Und weil ich das Diplom in der Tasche habe, denke ich sogar daran, die Tasche heute mitzunehmen. Und ich war die einzige, für die diese Schritte völlig neu waren. Nun kann ich sagen, ich habe in Jerez Flamenco gelernt. Vor allem schnell!
Als ich nach dem Urlaub  meiner Mutter erzähle, wie schwer der Kurs war, will sie mich trösten: “Naja, ist ja auch kein Wunder. Bisher hast du ja noch keinen echten Flamenco gelernt.“

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Friedbergs Kunstwerk Muyitoha


Die Friedberger haben immer ganz besondere Kunstwerke. Wie 2005 das Muyitoha. Das hat 5000.- Euro gekostet und wurde als wichtiges Kunstwerk an einem wichtigen Ort, dem Rathaus installiert. Nach einem halben Tag war es weg, das teure Kunstwerk. Der Hausmeister hat es abgenommen. Vermutlich dachte er sich: "Welcher Depp hängt jetzt so an abgrupftn Stecken ans Rathaus hi? Ausgerechnt, wo sonst die Fahna hängt. Des mach i gschwind weg, bevor des da Bürgamoasta sicht." Er hat den Ast mit den geflochtenen Zweigen abgenommen und penibel und genau, wie Hausmeister nun mal sind, passend für die braune Tonne, in kleine Stücke zersägt.

Wenn ein "Büschel" dran ist, ist`s Kunst

Ich meine, ich muss meine abgesägten Äste zur Wertstoffsammelstelle bringen, zahle zwei Euro pro Sack! Die Stadt zahlt für einen einzigen Stengel 5000.- Euro und hängt den dann ans Rathaus! Seit dem betrachte ich meine Weide im Garten als Kapitalanlage. Wenn mir die Stadt nur die "Niederschlagsgebühr" für den Regen erlassen würde, könnte sie dafür den kompletten Baumschnitt für ihre Kunstwerke haben.

Maibaum ist Kunst

Der Künstler führte dann mit dem Hausmeister ein eingehendes Gespräch über Kunst. Vielleicht, wie bei uns üblich, wurde das  gemütlich bei einer Brotzeit und einem Bier erörtert. Vielleicht haben sie mehrere Maß Bier gebraucht,  bis der Künstler verstanden hat, dass bei uns die Kunstwerke nicht aus Ästen, sondern aus ganzen Baumstämmen sind, und nicht "Muyitoha", sondern "Maibaum" heißen.
" Weist du, was du da zersägt hast, das war Kunst"
"Na, des Zersägn war koa Kunst. War ganz leicht."
"Ich meine auch nicht den Akt der Zersägens, sondern, den Gegenstand."
"Na, in da Gegend is a nix gstandn."
"Natürlich, ist ja auch gehangen."
"Woaßt, bei uns in Bayern, do hängt nixn. Do steht ois!"
"Weißt Du, was du zersägt hast, das war kein Stock, das war Kunst. Da war noch ein Ast dran, und geflochtene Zweige. Und die waren fospho.. naja also haben geleuchtet in der Nacht. Jawoll!"
"Ezat sog i dir wos: Wenn Du an Maibam an Rathaus hihänga konnst, dann ist des Kunst."

"Muyitoha" ist verschwunden- FDB bleibt

Das Kunstwerk ist nicht nur vom Rathaus verschwunden, sondern aus der ganzen Geschichte. Wenn man heute im Internet nach "Muyitoha" sucht, dann findet man nichts mehr. Das Wort gibt es nicht. Man weiß nicht mal, ob es ein asiatisches Wort, oder vielleicht spanisch oder griechisch ist.
Aber trotzdem hat Friedberg es geschafft, als Kunst und Kulturstadt ernst genommen zu werden. Durch den Skulpturenpfad, die Kunstschule, die Kunstspechte, durch einige regionale darstellende Künstler und auch durch den Friedberger Musiksommer und den Friedberger Advent werden Kunst und Kultur von Einheimischen geprägt und gestaltet. Wir haben eine Friedberger Hymne, Sportschützen, Theatervereine und die Landjugend,  Wasser- Ski- Meisterinnen, herausragende Musikerinnen und Musiker, Turnerinnen der Meisterklasse, einen 5 Sterne-Koch und den Bischof aus Rohrbach - und eine Flamenco- Tänzerin. Damit hat Friedberg eine Menge zu bieten und was Muyitoha war, weiß fast keiner mehr.

Korona
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