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Jugendkurs Flamenco

Flamenco ist der tolle Tanz aus dem Süden Spaniens, der bei den Zuschauern Bewunderung hervorruft und mega in ist! Wer schon mal in Andalusien war, hat Sie schon mal gesehen, die jungen Chicas, die mit grazilen Bewegungen, rasend schnellen Schritten und mit einer selbstbewussten Ausstrahlung tanzen.

Auch du kannst das spanische Flair und das andalusische Temperament kennenlernen. Ganz einfach mit ein paar Fuß- und Schlagtechniken lernst du schnell die ersten Basics, die bei uns schon für mächtig Eindruck sorgen. Nach und nach lernst du weitere Techniken, um selbst Rhythmus zu machen und eine Stimmung ins Leben zu rufen, die es sonst nur in Andalusien gibt.

Natürlich steht beim Flamenco das Tanzen im Vordergrund. Flamenco ist genau für diejenigen was, die Spaß am Tanzen haben und dabei auch etwas Besonderes machen wollen. Beim Flamenco lernst du dich selbstbewusst und grazil zu bewegen ohne überheblich oder arrogant zu sein. Bei den temperamentvollen Schritten kannst du dich richtig gut abreagieren und gleichzeitig knallige Klänge mit den Füßen erzeugen. Flamenco sorgt für Ausgleich von Körper und Geist und bringt oft auch ein bisschen Urlaubslaune in den Alltag. Flamenco macht mega Laune - olé!


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¡Viva Flamenco!

Das Espectáculo von Korona y „Las Estrellas de Alhambra“

Im Flamenco lodert die wilde Seele Andalusiens, hier schlägt das Herz bis in die Füße, hier lässt man´s „krachen“.¡Arriba! Show anfragen

Mit Gitarristen, Tänzerinnen, Kastagnetten und rhythmischem Klatschen bringen wir den andalusischen Wind in jede Veranstaltung. Unser feuriger Flamenco begeisterte noch jedes Publikum!
Wir traten bereits bei Vernissagen, Galas, Kulturveranstaltungen, Messen sowie bei spanischen Fiestas, Firmenfeiern, Weinproben oder Weihnachtsfeiern auf. Noch mehr Auftritte sehen Sie hier. Holen auch Sie sich für 2020 eine mitreißende und spannende Flamenco-Show ins Haus und erleben Sie eine unvergessliche spanische Nacht.

„Advent al Andaluz“ - die beliebte Weihnachtsshow

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Sehr beliebt ist auch unsere Weihnachtsflamenco-Show „Advent al Andaluz“. Die fröhliche, heitere andalusische Weihnachtszeit erwärmt hier mit Live-Gitarren, Flamenco-Tanz, Kastagnetten und Villancicos (spanische Weihnachtslieder) die Stimmung, mitten im kalten Deutschland. Der Weihnachts-Flamenco „Advent al Andaluz“ ist ein kulturelles Blitzlicht, das mit temperamentvollem Flamenco für Herzenswärme und eine gelungene Weihnachtsveranstaltung sorgt.

Unterschiedliche Darbietungen

Ein Espectáculo von Korona und „Las Estrellas de Alhambra“ gibt es als kurzen Show-Block mit 30 bis 40 Minuten oder als abendfüllendes Programm. Gerne bieten wir eine Publikumsanimation am Ende der Darbietung - der Garant für gute Stimmung. Wir bringen professionelle Technik und einen Tanzboden für eine perfekte Show mit.

Eine unvergessliche spanische Nacht

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Jede Show von und mit Korona wird eine unvergessliche spanische Flamenco-Show mit Gitarristen, Tänzerinnen, Kastagnetten und rhythmischem Klatschen. Das sorgt für den andalusischen Wind in Ihrer Veranstaltung!
Holen Sie sich richtig feurigen Flamenco ins Haus - und fragen Sie gleich jetzt an. Buchen Sie jetzt für 2020 und profitieren Sie von unserem ¡Arriba!-Preis inkl. Technik, Flamencoboden und eigenen Technikern. Unser Platzbedarf beträgt 4x3 Meter.
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Lesen Sie in der Presse unter: La Gaceta - !Viva Flamenco¡

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Sherry und Flamenco

sigrid bei sandemann

"Je mehr Sherry man trinkt, umso besser der Flamenco" lautet ein Sprichwort. Ich vermute aus Zuschauersicht. Und ich vermute, Sherry mit Flamenco in Zusammenhang zu bringen, war die Idee von Sandeman.

Warum Sherry Sherry heißt


Die Bodegas in Jerez bieten alle Führungen an, zum Teil mit Flamenco - Espectáculo und Menu. Das erschien uns mit 80.- Euro pro Person aber zu teuer. Sherry heißt Sherry, weil die Engländer Jerez nicht aussprechen konnten, und Jerez eigentlich von Xerez kommt. Xerez wurde die Stadt von den Almohaden, (ein Berbervolk die dort einige Jahrhunderte gelebt hat) genannt. Auf den Sherry-Flaschen und auf den Zertifikaten der Sherry-Meister steht Xerez - Jerez - Sherry. Wir gehen also zu Sandeman, weil es dort die günstigsten Führungen gibt. Ob Sandeman nun auch "Jerez" nicht aussprechen konnte, ist nicht bekannt, weil er Schotte und kein Engländer war. Genauso wie Katalanisch, ist Schottisch eine eigene Sprache. In Katalonien, auf den Balearen, und in Valencia ist Katalanisch neben Spanisch sogar regionale Amtssprache. Und Andorra hat nur Katalanisch als Amtssprache. Die Katalanen können zwar Spanisch, aber wer Spanisch kann, kann noch lange kein Katalanisch. Und wer Englisch kann, versteht deshalb nicht unbedingt Schottisch. Ich verstehe weder Schottisch, noch Katalanisch, und in Andalusien auch kaum Spanisch, darum bin ich froh, dass es die Führungen auch auf Deutsch gibt. Ebenso auf Französisch, Englisch und Spanisch.

Sherry-Führungen auch für Kinder

Die Führungen sind einmal pro Stunde und kosten 7,50 pro Person. Manche finden ja die Besichtigung einer Bodega als besonders reizvolles Ferienprogramm für Kinder, vielleicht verwechseln sie Sandeman mit Sandmännchen. Jedenfalls scheinen auch Kinder Sherry-Führungen zu machen, denn Kinder von 3 bis 12 Jahren bezahlen 1.- Euro Eintritt. Vielleicht wird es auch als religiöse Zeremonie betrachtet, sowas wie Wallfahrt, wohin jeder einmal pilgern sollte, schließlich wird Sherry in der“ Kathedrale“ hergestellt und die Sherry-Probe findet in der „Sakristei“ statt.
Die deutsche Sherry- Führung findet um 10.30, um 12.30 und um 14.30 Uhr statt. Aber mal ehrlich- wer besäuft sich schon um 10.30 mit Sherry? O.k. wir wählen also 12.30. Mittagszeit ist nicht mehr ganz so pennerhaft. Wir warten im Kassenbereich auf den Beginn. Dabei kann man schon autodidaktisch aufbereitet die Gewinnung des Sherrys auf anschaulichen Plakatwänden sehen und die wirklich hübsche Sandeman-Werbung aus dem letzten Jahrhundert.

Die Tänzerin und die Flasche - Sandeman Werbung

flamencotaenzerin mit sherry flascheGleich neben der Kasse hängt ein Werbeplakat, auf dem tanzt eine Flamencotänzerin mit Sherryflasche in der Hand. Ich hab das ja noch nie probiert, weder mit Sherryflasche in der Hand, noch mit Sherry im Blut, aber vielleicht ist ja was an dem Sprichwort dran. Wahrscheinlich hat Sandeman das Sprichwort erfunden, passend zu diesem Plakat.
Ich verstehe gar nicht, wieso eigentlich ich mich für die Werbeplakate mehr interessiere, als mein Mann. Der ist schließlich Werber, hat aber nur Interesse für die Sherry-Fässer. "Ich hab schließlich Urlaub" sagt er und klopft die Fässer ab. Der berühmte Don auf dem Signet auf der Flasche, ist in einer Mischung aus dem jerezianischen Hut und dem portugiesischen Umhang gekleidet, weil Sandeman in Portugal und Jerez Weinkellereien hatte. (Ich erhalte sofort einen Input über Signet und Logo von meinem Mann. Das muss man schon unterscheiden, sagt der Werber, der ja eigentlich Urlaub macht...) Übrigens muss man auch unterscheiden zwischen Sherry und Portwein. Sherry wird in Jerez hergestellt, in Portugal der Portwein. Sandeman war der erste, der Sherry exportiert hat. Und zwar in diesen riesen Fässern. Es gibt tatsächlich noch einen Herrn Sandeman, der hat aber das gesamte Imperium an eine Spirituosenfirma verkauft. Er kommt sogar ein bis zwei Mal im Jahr vorbei. Nur so, weil die eben noch seinen Namen benutzen.

Saubere Toiletten- staubige Sherry Fässer

Sehr sehenswert sind bei Sandeman die Toiletten. Die sind derart sauber, riechen frisch und haben als eine der wenigen Toiletten in Jerez alles was man braucht. Abschließbare Türen, Licht, Toilettenbrillen, Toilettenpapier, Mülleimer, Seife und Trockentücher, fließend Wasser. Und es sind mehr als vier Toilettenkabinen zur Wahl! Ich bin begeistert! Nur Fenster gibt es in Jerez in keiner einzigen Toilette. Ich habe ja in jeder Bar die Toiletten besucht. Zwar sind überall Behinderten WC, aber irgendwas fehlt immer.sherryfaesser in jerezMeist Toilettenpapier, oder Seife. Wir sind die einzigen für die deutsche Führung und ich vereinbare mit dem Guide, dass er alles auf Spanisch sagen soll und ich sage ihm dann auf Deutsch was ich verstanden habe. Das machen wir die ersten drei Sherry- Fässer lang und dann erzählt er nur noch auf Deutsch. Ich vermute, meine Übersetzung ist ihm zu anstrengend, weil ich sowieso nur die Hälfte richtig verstanden habe. Aber immerhin die Hälfte! Er erklärt uns das Sherry- Verfahren und wir sind schon vom Geruch in der Kathedrale alleine benebelt und finden alles schon ein wenig witzig.

Kathedrale ist die Produktionsstätte- Bodega die Lagerhalle

Kathedrale heißt es deshalb, weil die Produktionsstätten wie Kathedralen gebaut sind, damit die Temperatur konstant bei ca. 18 Grad bleibt. Die untersten Fässer sind die Solera- Reihe. Das erinnert mich an die Soleá im Flamenco. Solera bedeutet die, die auf dem Boden liegt. Und ein wenig muss ich schmunzeln, vielleicht heißt die Soleá ja nicht so wegen der Einsamkeit (Soledad) und auch nicht von Feierlichkeit (Solemne) sondern weil die Tänzerin betrunken am Boden liegt.
Die Umschütterei und der Reifungsprozess dauern Jahrzehnte. Fino ist der hellste und „dünnste“ Sherry, mit dem wenigsten Alkoholgehalt. Den kann man sich reinschütten und man merkt es nicht dass man eben doch betrunken wird. „Fino ist wie Affe mit Pistole“ sagt unser Freund Alfonso aus Sevilla immer. Den schüttet man sich rein, ist dicht und merkt es nicht. Dulce ist ein süßer likörartiger Sherry. Absichtlich werden bei der Ernte Trauben auf den Boden geschmissen, damit sie trocknen und Rosinen werden. Dann werden sie aufgesammelt und es wird den Rosinen Traubensaft zugesetzt und diese Flüssigkeit setzt man dann dem Sherry zu. Oder so ähnlich. Der schwerste ist der Oloroso, er ist dunkel und hat eine lange Reifungszeit. Bis zu 80 Jahren, oder länger. Also genau wissen sie nicht, wie lange der Sherry schon in den untersten Fässern vor sich hin gärt. Und ich stelle mir vor, wie Generationen in Rente gehen und nicht miterleben, dass das Zeug das sie zusammenschütten auch in Flaschen abgefüllt und verkauft wird. Der Sherry ist jedenfalls älter als ich und mein Mann, und das tröstet uns ungemein und lässt uns wieder richtig jugendlich vorkommen.
Ich frage den jungen Guide aus, während wir in die Bodega über den Hof gehen. In der Bodega werden die Fässer einfach gelagert. Jahrzehnte lang. Also solange, wie man beispielsweise braucht, bis man ein Kind durch den Kindergarten, Schule, Ausbildung gebracht hat, und es dann mit den Enkeln an der Hand in den Seniorenstift kommt, um die Oma mal wieder abzufüllen mit Dulce…

Biergärten für Sherry - Partys

Er erzählt, dass er eigentlich Pilot ist. Aber weil es für Piloten wenig Jobs gibt, hat er Tourismus studiert. Auch in Deutschland. Das ist witzig, er war nämlich an derselben FH wie ich, nur eben einen Fino lang später. Und mit einer Pilotenausbildung, mit Englisch, Deutsch und Spanisch und einem Tourismusstudium macht er nun Führungen in einer Bodega. Besser als nichts, sagt er. Das Schnapstamperl biergarten bei sandemannam langen Stöckchen , dieser Sherry Ausgießer den man bei den Sherry- Experten immer sieht, so erzählt er uns, wird benötigt, damit bei der Probe des Sherrys durch das Schütten genügend Sauerstoff dazu kommt. Was das bewirkt habe ich allerdings vergessen. Ich war viel zu sehr von dem hübschen Biergarten für Sherry entzückt und habe nicht mehr richtig zugehört. Überall Blumen, bunte Stühle, ein kühles Eckchen passend für Flamenco und Sherry. Tatsächlich kann man das auch mieten, für Hochzeiten beispielsweise. Zu blöd, dass wir schon verheiratet sind.
Wir kommen um ca. 13.00 Uhr zur Sherry- Verköstigung. Es steht für uns eine Schüssel Chips und eine Schale Oliven bereit. Mein Mann frühstückt immer einige Tostadascheiben. Der Kellner hinter der Theke im Hotel hat auch immer die größten Scheiben für ihn reserviert. Er sagt lachend, mein Mann „come mucho“. Ich sage ihm, ja er ist auch ein „Torro“. Mein Mann fühlt sich im Hotel schon so zuhause, dass er sogar beginnt den Frühstückstisch abzuräumen. „Tienes un bueno hombre“ sagt der Kellner zu mir. Das finde ich auch! Ich jedenfalls esse nicht so viele Tostadas, weshalb ich befürchte nun auch schnell einen sitzen zu haben. Wir stopfen die Chips in uns rein und der Guide schüttet eine großzügige Portion Fino in unsere Gläser.

„Fino ist wie Affe mit Pistole“

Er meint, davon könnte man ja viel trinken, er hätte ja am wenigsten Alkohol. Am Tisch neben uns ist die englische Führung, wobei es sich dabei um ein französisches Paar und ein englisches Paar handelt. Und ich sage zu meinem Mann: “Wetten, die Engländer haben 16-. Euro bezahlt!“ „Wieso, der Eintritt kostet doch 7,50.“ „Ich wollte nur testen, ob Du noch rechnen kannst.“ „Ja, kann ich, zwei Mal 7,50 ist 15. –Euro, nicht 16.- Für ´ne Sozialpädagogin schon gar nicht so schlecht.“ „Eben, und weil ich Sozialpädagogin bin sehe ich, dass sie 16 Euro gezahlt haben, weil sie ein Kind mit vier Jahren haben, das einen Euro kostet. Du Betriebswirt.“ Und ich haue lachend auf den Tisch, weil ich diesen Joke ungemein witzig finde. „Aber, vielleicht haben sie ja noch mehr bezahlt, weil sie Engländer sind und vielleicht übers Hotel gebucht haben.“ Meint mein Mann. Auch sehr komisch und wir lachen noch lauter. Der Guide kommt mit dem Dulce. Er schenkt das Glas etwas voller, weil er findet, dass Damen diesen süßen Geschmack gerne mögen. Vom Süßen darf’s doch immer etwas mehr sein. Jaja, finde ich. Und süffle das süße Getränk. Ich mache Bilder von den Gläsern und den Toilettentüren. Die sakristei bei sandemannsehen äußerst hübsch aus. Überhaupt habe ich einen bemerkenswerten Ausblick. Während mein Mann Blick auf die Fässer hat, sehe ich die Bühne für die Flamenco- Show und die geschmückte Ausstellungshalle. Außerdem sehen wir beide die Paare am Nebentisch. Das Kind friert in dieser kühlen Kathedrale in seinem weißen Sommerkleidchen und hüllt sich in einen dünnen Schal und legt sich in den Buggy. Die Erwachsenen machen von sich gegenseitig Fotos und nippen lustlos am Sherry rum und starren auf die Chips Schale. Das erinnert mich an den Film von dem Deutschen der eine Italienerin heiraten will und die Muscheln nicht aufisst. Ich schaue meinen Mann an: „Marrriaaa, ihm smeckts nischt!“ Ich lache wieder lauthals, weil ich auch diesen Witz zum Brüllen komisch finde. Die englische Führung guckt pikiert rüber. Mein Mann steht auf und inspiziert die Bühne näher. Dabei klopft er den Bühnenboden ab und schaut sich die Lautsprecher an. Als er wieder sitzt, stehe ich auf und will mir auch die Bühne ansehen. Beim Aufstehen remple ich an den Tisch und die Gläser scheppern. Aber es war ja nur unser Tisch und nicht der der englischen Führung. Auch das finden wir saukomisch und ich biege mich fast vor Lachen, nur weil die Gläser klirren.

Ein Viertelchen Oloroso

Der Guide kommt und schüttet den Oloroso ein. Er meint, das letzte Schlückchen in der Flasche zu lassen sei nutzlose Verschwendung und bringt ein Weinglas, in das er mir den Rest der ganzen Olorosoflasche schüttet. Ungefähr ein Schoppen Sherry. Ich frage ihn, ob ich das trinken muss, mein Mann meint, es wäre schon unhöflich nun das Geschenk des Hauses zu verschmähen. Ich weiß nicht, wie lange ich an diesem Oloroso herumgetrunken habe. sherry glasUnser Guide und der Guide der englischen Führung machen die Lichter hinter der Theke aus und gehen irgendwann. Die Franzosen und die Engländer am Nebentisch sind auch schon weg. Ich remple noch gegen ein Sherry- Fass und gegen den Tisch bis ich auf beiden Beinen stehe und finde das äußerst witzig, weil das nun ja keinen mehr stört. „Auweh zwick, i glab i hob an Schwips“ zitiere ich meine Großmutter, wenn sie zwei Eierlikör getrunken hatte. Überhaupt finde ich, dass doch das Leben voller Witze steckt, und wundere mich, warum ich schon so lange nicht mehr so viel gelacht habe. Ich höre mein Lachen durch die Kathedrale hallen, und finde es sehr sinnvoll ein Echo zu haben. Damit verdoppelt sich doch der Spaß. Außerdem finde ich, sollte man in den echten Kathedralen auch mehr lachen. Sie sollten statt Messwein Sherry trinken, dann wird so eine Messe viel lustiger, finde ich. Die Dame von der Kasse schaut sich nach mir um. Um zum Ausgang zu gelangen, muss man durch den Shop. Dort kann man Sherry in Geschenkpaketen, T- Shirts, Plakate und hübsche versilberte Flaschenstöpsel kaufen. Ich hätte schon einiges mitgenommen, kann aber keinen Einkaufskorb finden, was meinen Mann beruhigt. Wir kaufen also nichts. Als wir aus der kühlen, schummrigen Bodega rausgehen, prallen mir 38 Grad Hitze schonungslos auf den Kopf. Der Pförtner schließt gerade die Eingangstore. Ich rette mich sofort unter einen Orangenbaum, und gehe nur noch von Baum zu Baum oder auf der Straßenseite im Häuserschatten. Mein unternehmungslustiger Mann fragt, was wir nun noch machen wollen. Ich lache über den Witz, denn alle machen Siesta, man kann nichts unternehmen, nur die besoffenen Touristen sind in der Mittagszeit hier unterwegs. Und ich vermute, Siesta gibt es nur, damit man sich den Rausch nach einer Sherry- Probe ausschlafen kann.

 

 

Andalusische Lebensfreude


Wenn jemand davon erzählt, wie schön es in Andalusien ist, wovon erzählt er dann? Er erzählt von der schönen Landschaft von den Weißen Dörfern bis hin ans Meer und der Sierra Nevada. Er erzählt von der Blumenpracht an den Häuserwänden, von den Sehenswürdigkeiten in Granada, Sevilla, Cordobá und vom Himmel, der so blau ist, dass er sogar in der Nacht blendet. Er erzählt von der Feria, den schönen Pferden und den schönen Frauen, von der Weite des Meeres. Er schwärmt vom vorzüglichen Essen, dem unübertrefflichen Fisch und dem vollmundigen Wein. Er ist beeindruckt vom Flamenco, diesem Schrei der wilden Seele Andalusiens. Doch in Wirklichkeit berichtet man von einem Flecken der Erde, der so schön ist, weil die Menschen ihn schön sein lassen. Weil die Menschen dort die Schönheit ihres Landes würdigen. Die Einheimischen!


Andalusien und seine Menschen


Ich sage ja immer, beim Flamenco schlägt das Herz  bis in die Füße. Das Wort Tanz kommt vom sanskrit- Wort „tanha“ was Freude bedeutet. Demnach ist Tanz vorwiegend der Ausdruck von Lebensfreude. Und die finde ich bei den Andalusiern irgendwie täglich auch ohne Tanzen.

Während wir in der Bar (also alle Lokale in denen es Tapas und Kaffee, Eis, Bier und Wein gibt, heißen hier Bar. Die haben auch vormittags und abends offen.) beim Puerto de Señor Real sitzen, fällt uns auf, dass wir beispielsweise täglich den jungen Mann mit langen Haaren sehen, der eine ältere magere Frau mit Zopf im Rollstuhl durch die Fußgängerzone schiebt. Mal mit Tüten vom Supermarkt, mal mit Blumen in der Hand, und mal einfach so.  In fast jedem Lokal ist eine rollstuhlgerechte Toilette und viele Sehenswürdigkeiten sind mit Rollstuhlrampe. Ich sehe sogar einmal ein Schild, dass Rollstuhlfahrer klingeln sollen, dann kommt jemand und hilft ihnen. Vielleicht ist hier in Andalusien die Inklusion besser gelungen als bei uns, wo es sogar im Kindertagesstättengesetz geregelt ist aber die wenigsten es geregelt bekommen, weil die Bedingungen noch nicht geschaffen sind.

Behinderung hindert nicht am Fröhlichsein


Vor der Türe spielt ein ca 12 Jahre alter Junge. Er hat schwarze Haut, und am rechten Bein eine Prothese ab dem Knie. Er hat eine kurze Hose an und mit seiner Beinprothese springt er vergnügt über die enge kleine Straße und kickt einen Fussball. Eine Frau gibt ihm einen Schlüssel und ermahnt ihn, vorsichtig nach Hause zu gehen. Er gibt ihr ein Küsschen und sagt, dass sie doch weiß, dass sie sich auf ihn verlassen kann. Er ruft "Adio Mama!", springt fröhlich über die Straße und kehrt nochmal um. Er eilt zu einem Mann, umarmt ihn stürmisch und sagt: „Ah Papa, Du musst auch Besos bekommen.“ Er gibt dem Mann Küsschen und hüpft davon. Sie wirken fröhlich und zufrieden. Insgesamt sehe ich in Jerez drei Kinder mit Beinprothese, die allesamt vergnügt durch die Gegend springen. So als wüssten sie gar nicht, dass sie eine Beinprothese haben. Auf facebook gibt es ein Video,  in dem ein Mädchen im Rollstuhl am Ende der Flamenco- Show mit den Händen Flamenco „tanzt“ und alle dazu Palmas und Jaleos machen. Behinderung hindert nicht am Fröhlichsein.


Glücklich trotz widriger Umstände


Wir lernen Pablo mit seiner Freundin kennen, die nicht seine Freundin, sondern nur eine Freundin ist. Er hat Tourismus studiert, die Freundin Betriebswirtschaft. Beide sprechen Englisch und haben keinen Job. Seine richtige Freundin ist gerade in Madrid, für ein Seminar. Sie hat auch keinen Job. Aber irgendwie sehen sie  trotzdem zufrieden aus.
Carla aus dem Flamencokurs erzählt mir, dass sie in England als Nanny arbeitet, weil sie zuhause keinen Job bekommt. Sie ist Lehrerin. Und sie ist glücklich in dem Land zuhause zu sein, in dem andere Urlaub machen.


Glückspilz mit zwei Jobs


Meist sitzen wir an der Theke. Der Kellner erzählt, dass er zwei Jobs hat. Von Morgens bis Nachmittags arbeitet er wo anders und am Abend hier. Er hat zwei Jobs, weil er auch zwei Kinder hat und geschieden ist. Bei seinem anderen Job verdient er nicht genügend Geld. Wenn er nicht für die Kinder zahlen kann dann geht’s ihm an die Gurgel. Er ist er zu allen freundlich und auch wenn alle Leute gleichzeitig bei ihm bestellen, schnell und immer gut gelaunt. Besser zwei Jobs als keinen.


Wie Monopoly


  Geht man durch die Straßen von Jerez so ist das wie bei Monopoly- von fünf Häusern sind zwei „se vende“- zu verkaufen. Manche Häuser sind noch sehr schön, andere wiederum stehen wohl schon lange leer und sehen heruntergekommen aus. Wenn ich einen Job in Jerez hätte würde ich mir eines dieser schönen Häuser kaufen. Aber in Jerez haben nicht mal die Einheimischen einen Job. Im Guitarrón erzählt uns Carlos, dass die Arbeitslosigkeit so hoch ist, dass sich die Menschen die Häuser in der Stadt nicht mehr leisten können. Die ganze Familie zieht zum Opa und man wohnt entweder in einer kleinen Wohnung oder auf dem Land. Und der Opa mit seiner Rente versorgt alle anderen mit. Da bekommt Familie doch wieder den Sinn, den sie vielleicht mal hatte, nur dass früher die Alten von den Jungen versorgt wurden, und heute lebt die ganze Familie von der Rente der Alten. Und dennoch, so scheint mir, sind die Menschen hier nicht unglücklich. Sie wirken zufrieden, sie sehen gepflegt aus, sie gehen in die Bars, auch wenn sie dort vielleicht den ganzen Abend über nur einen Fino trinken. Es wird gelacht, gesungen und getanzt. Fast überall.


Alleinsein ist ein Problem


Nur eine relativ junge Frau sehen wir täglich. Sie hat kurzes rotes Haar, und hat ein deutliches Alkoholproblem. Wir sehen sie an unterschiedlichen Ecken der Stadt. Sie hastet eilig durch die Straßen und hebt Zigarrettenstummel vom Boden auf. Dann frägt sie jemanden nach Feuer und raucht den Stummel bis zum Filter. Meist hat sie eine Flasche Wein oder einen Tetra- Pack Wein dabei. Aber niemals einen anderen Menschen. Für die Andalusier sind die anderen Menschen und das Soziale Eingebundensein wichtig. Es gilt als unhöflich einen Freund alleine nach Hause gehen zu lassen. Wer alleine ist, hat ein Problem.


Höchste Arbeitslosenzahl in Europa


In der Strandgazette liest man, Andalusien gehört derzeit zu der einkommensschwächsten Region mit der Anzahl der meisten Arbeitslosen in Europa und ist auch eine derer Regionen mit der meisten Jugendarbeitslosigkeit. Den Artikel dazu findet man hier.


..und trotzdem zufrieden und glücklich mit dem Lebensstil


Gabriele Hefele, der Herausgeberin des Residentenkuriers, erzählt mir,  dass es eine Untersuchung des  „Zentrums für Andalusische Studien zur sozialen Realität“ gibt, bei der  die Andalusier angaben, zufrieden mit dem Leben in ihrer Region zu sein, dass sie stark in Andalusien verwurzelt, und glücklich mit ihrem Lebensstil sind. Das kann man hier nachlesen (ganz runterscrollen!).


Menschen machen das Land aus


Wer in Andalusien ist bemerkt es schnell: Egal wie schön eine Gegend auch ist, geprägt, wird sie immer von den Menschen, die sie beleben. Alleine deshalb ist ein Urlaub in Andalusien schön- denn hier sind die Menschen fröhlich, freundlich und zufrieden. Wo immer die Sonne scheint, ist wahrscheinlich auch das Gemüt sonniger- egal wie das Leben ist.

 

 

Flamenco auf Spanisch

Wer als Flamenco- Tänzerin aufritt wird häufig gefragt: „Woher können Sie Flamenco, sind Sie Spanierin?“ Wenn ich ehrlich bin, sage ich dann „Nein ich bin keine Spanierin, ich musste dafür üben.“ Oft kommt dann: „Oh, dafür war das aber wirklich gut. Wissen, Sie ich habe schon einmal einen echten Flamenco in Spanien gesehen- Sie haben das genauso gut gemacht wie die Spanierinnen dort.“ Ich weiß dann nicht, ob ich mich geschmeichelt fühlen sollte, weil die Person ja schließlich „echten“ von  „unechtem“ Flamenco unterscheiden kann, obwohl ich, und vermutlich sie selbst, die Kriterien dafür nicht kenne. Anfangs war ich immer recht pikiert, denn man kann auch Flamenco können, ohne dass man Spanierin ist und ohne damit geboren zu sein.
Schließlich ist das meiste nicht Talent, sondern Ausdauer und Training. Es ist ja auch fraglich, ob jede Spanierin, nur weil sie Spanierin ist automatisch Flamenco kann. Immerhin kann auch nicht jeder Bayer jodeln oder platteln!

„Echter Flamenco in Jerez“

Will man also als Flamencotänzerin ernst genommen werden, muss man schon wenigstens einmal einen Flamenco- Kurs in Spanien absolviert haben.
Also schrieb ich mich für die Zeit meines Urlaubes in einen Flamenco- Kurs in Jerez ein. Jerez sei die Wiege des Flamencos, also ist dort wohl ein guter Platz um echten Flamenco zu lernen.
Ich komme zwar einen Tag später an als der Kurs beginnt, dafür bin ich bin eine Stunde zu früh dran, weil ich einkalkuliert habe, nicht hinzufinden, nachdem wir uns dauern in Jerez verirren. Zur Tanzschule haben wir aber auf Anhieb gefunden. Dank Stadtplan. Gut dass wir uns sonst verirren, und ich deshalb heute zu früh dran bin, denn der Kurs beginnt nämlich heute eine viertel Stunde früher. Er hat gestern nicht stattgefunden. Die Tanzlehrerin hat den Tag verwechselt und lag gestern noch am Strand. In der Garderobe spricht mich eine Spanierin an, wie ich heiße und woher ich sei. Nachdem ihr wohl zu mühsam war mein spanisches Gestöpsle zu verstehen, spricht sie Englisch mit mir weiter. Sie heißt Carla sagt sie und sie wohnt in London. Wir gehen in den Kursraum.
Der Kursraum dampft noch vom vorherigen Kurs, im Eck raucht es, nach genauerem Hinsehen sehe ich, dass die Klimaanlage dampft. Draußen hat es 36 Grad, hier drin vermutlich 40. Nach 10 Minuten ist es allerdings etwas kühler. Es sind schon einige da, die verständnislos auf meine Füßlinge starren, die aus meinen Schuhen herauslugen. Sie sind weiß und mit Spitze und wenn ich jetzt so hinschaue, sieht es aus, wie bei meiner Großmutter, als sie Bettschuhe anhatte.

Heiße Füße, rauchender Kopf beim Warm up

Die Lehrerin beginnt das Warm up in einem Tempo, das für mich eigentlich Höchstgeschwindigkeit darstellt. Mit meinem mikrigen Spanisch verstehe ich kein Wort was die Lehrerin sagt, und verstecke mich ganz hinten, damit sie mich nicht sieht und anspricht. Es wäre sowieso egal was sie sagt, ich könnte die Schritte trotzdem nicht. Der Weg vom Hirn zu den Füßen ist einfach zu weit, um das alles gleich so schnell zu können.
Um die Uhrzeit, zu der der Kurs eigentlich beginnen würde, könnte ich bereits wieder aufhören. Ich bin durchgeschwitzt wie ich sonst nach einer Stunde joggen schwitze. Eindeutig, ich jogge zu langsam. Ich komme bereits jetzt nicht mehr mit, weil ich mir das alles gar nicht merken kann. Alle anderen tanzen munter die Schritte mit und es sieht aus, als würden die alles total schnell kapieren. Ich glaube, ich bin schwer von Begriff. Nach dreißig Minuten denke ich mir, dass ich jetzt eigentlich gehen könnte, was ich nun schon alles gelernt habe, reicht sowieso für die nächsten 6 Monate um es ordentlich zu verinnerlichen.
Eine tanzt schon fast mit, während die Lehrerin die Schritte nur zeigt. Ganz vorne tanzt eine ganz junge auch ziemlich fehlerlos und ohne Lücken mit. Sie heißt Martha. Die Lehrerin meint es gut mit uns und macht auch noch fünfzehn Minuten länger Unterricht. Obwohl ich eigentlich schon nach der Halbzeit völlig am Ende war, habe ich doch bis zum Ende mitgemacht.
Wenigstens sind die anderen genauso erledigt wie ich. Mein T- Shirt ist so nass, als hätte ich es eben aus der Waschmaschine geholt. In der Garderobe komme ich mit einer Engländerin ins Gespräch. Sie sagt, sie kommt bereits das dritte Jahr hierher und ihr ging es am Anfang wie mir, aber es bringt einen weiter.

Immer cool bleiben!

Vor der Tür wartet mein Mann und hat sich gleich munter mit Carlas Freund unterhalten. Er ist Engländer und lebt mit Carla in London. Zurzeit sind sie zu Besuch hier, Carla ist von hier. Als die Türe der Tanzschule zugesperrt wird, bemerke ich, dass ich meine Tasche vergessen habe. Mit allem Geld und Pass. Die Tanzschulcheffin sperrt noch mal auf, damit ich meine Tasche holen kann.
Am zweiten Tag freue ich mich, dass ich wenigstens den Anfang noch kann, aber dann geht es auch schnell weiter und ich merke mir nur die Hälfte. Heute denke ich mir, dass das Prinzip der Schritte schnuppe ist, ich mogle mich einfach durch, Hauptsache es klingt wie bei den anderen und ich stehe zur richtigen Zeit still und kapiere die Armbewegungen. Nach zwanzig Minuten hab ich genug, ich wäre froh wenn nun endlich die Stunde um wäre. Ich kann nichts mehr und komm mir mit meinem Geschwitze und Getrappel vor wie ein Kutschpferd. Die links neben mir heißt Marie- Rosa und kommt aus Barcelona. Sie kann kein Englisch und ich kaum Spanisch, dafür verstehen wir uns gut. Sie hat in Barcelona eine Flamenco- Schule und kommt jedes Jahr hierher und kennt die Schritte bereits.
Außer mir und der Engländerin sind alle Spanierinnen. Nach dem Kurs schwitze ich vor der Türe fertig und Carla empfiehlt uns zur Erholung am den Strand von Conil zu fahren. Die Tanzlehrerin ist ganz offensichtlich mit den zwei schnellen jungen Spanierinnen befreundet. Sie gehen zusammen zum Auto. Ich bemerke, dass ich meine Tasche schon wieder drinnen vergessen habe, Carla ruft der Tanzlehrerin nach, dass sie die Türe noch mal öffnen soll. Wir nehmen Carla mit in die Stadt. Sie erzählt, dass ihr Freund heute wieder nach London zurück musste. Früher war sie bereits bei dieser Lehrerin wöchentlich im Kurs, und seit sie in London ist, kommt sie alle Ferien her und macht die Kurse bei ihr mit. Eigentlich ist sie Grundschullehrerin aber weil sie hier keinen Job bekommt, arbeitet sie als Nanny in London und verdient sich mit Flamenco- Unterricht etwas dazu. Sie meint, dafür, dass ich noch nie in Spanien Flamenco gelernt habe, mache ich es gut. Sie kennt die Schritte ja bereits.

Am dritten Tag tanzt ein junger Spanier vor dem Spiegel herum. Er hat ein T- Shirt mit der Aufschrift „Taxi“ an, und wird von zwei Touristinnen fotografiert. Er hopst hier nur für´s Foto rum, im Kurs ist er nicht. Die Lehrerin sagt, sie würde nun gerne mit dem Unterricht beginnen, ob sie woanders weiter fotografieren können. Ich kann das Gelernte von gestern nicht mehr und das Neue kann ich erst recht nicht. Nach 40 Minuten habe ich die Schnauze voll und überlege, ob ich einfach gehen soll. Ich bleibe, weil es gerade so spannend ist. Die Lehrerin zeigt nämlich einen Schritt, den ich super eindrucksvoll finde. Sie sagt das sei für Bulerías "muy typico". Leider kapier ich ihn nicht. Ich erfahre später, dass alle hier außer der Rosa- Marie, Carla und der Engländerin im wöchentlichen Kurs sind, und dass alle diese Schritte schon kennen. Damit kann ich mit mir doch zufrieden sein. Ich schwitze vor der Türe aus und vergesse wieder meine Tasche. Als die Tanzlehrerin schon beim Gartentor ist, ruft ihr Carla nach, das sie nochmal aufschließen soll.

Die Luft ist raus

Ich habe blaue Flecken auf den Oberschenkeln vom Patschen auf die Schenkel und glaube es würde eigentlich reichen mit dem Kurs. Ich überlege täglich, ob ich mir diese Qual nun schon wieder antun soll schließlich habe ich Urlaub. Aber ich gehe trotzdem immer wacker zum Kurs, schließlich bin ich konsequent und zielstrebig. Heute habe ich erst nach 60 Minuten die Schnauze voll. Ich traue mich nicht eine Minute zu schwänzen, ich könnte dann schon drei Schritte versäumen. Deshalb trinke ich keinen einzigen Schluck Wasser und trockne mein Gesicht nicht mit dem Handtuch, denn beim Wischen über das Gesicht könnte ich etwas nicht sehen, was sie gerade zeigt. Ich muss mir alles durch das Zuschauen erschließen, denn was sie sagt verstehe ich nicht. Ich glaube, die Lehrerin weiß gar nicht, dass ich sie nicht verstehe, denn ich frage ja nichts und bin immer still. Manchmal schüttle ich nur den Kopf, wenn ich was kapiert habe nicke ich und wenn ich es sogar kann, lächle ich. Wahrscheinlich meint sie, ich bin taubstumm. Ich bin immer einen Schritt hinterher, denn bis ich kapiere, was wir machen, sind die anderen schon weiter. Bei den Schritten, die ich absolut nicht kann, stelle ich mich hin und überbrücke die Zeit mit strengem Geschaue und setze dann wieder ein, wenn ich weiß was kommt. Ich vergesse wieder meine Tasche, und bemerke es heute schon früher, während die Lehrerin zuschließt.
Am letzten Tag habe ich einen Kater. Leider habe ich am Abend zuvor drei Fino getrunken. Man ist davon dicht, aber man merkt es nicht. Eigentlich bekommt man vom Fino keinen Kater.  Aber mir ist so übel, dass ich weder Kaffee noch Wasser trinke. Ich esse nichts und lege mich wieder hin. Ich will nicht zum Kurs gehen, ich habe genug gelernt, alle anderen können das, weil sie schon seit Jahren den Kurs machen und ich humple immer hinterher. Ich bin todkrank, wahrscheinlich sterbe ich jetzt. Und Flamenco ist sowieso Scheiße. Ich will nie wieder etwas mit Fino oder Flamenco zu tun haben. Überhaupt dieses Spanien! Mein Mann sagt, ich dürfte doch am letzten Tag nicht schlapp machen, ich müsste mich schon verabschieden. Gut, ich gehe hin. Die Engländerin hat Schmerzen in der Hüfte und macht Yogaübungen. Carla sagt, man nennt den Kater auf Spanisch „ressaca“, ich würde das beim Tanzen herausschwitzen.

Diplome muss man sich verdienen

Die eine schnelle junge Spanierin ist nicht da. Rosa- Marie geht nach fünfzehn Minuten wieder, sie hat blutige Blasen an den Füßen. Ich liebe meine weißen Füßlinge. Um die Uhrzeit, um die ich normaler Weise genug habe und gehen will, ist heute mein Kater weg . Carla geht eine viertel Stunde vor Schluss, sie muss ihre Mutter zum Arzt fahren. Heute gibt es die Diplome, sagt die Tanzschulcheffin. Die schnelle junge Spanierin kommt 10 Minuten vor Schluss in Plateau- Schuhen, sie möchte heute nicht tanzen, nur das Diplom abholen. Die Lehrerin spricht etwas zu uns ich verstehe kein Wort, ich vermute sie sagt etwas Tröstendes. Ich frage die Engländerin, was sie sagt, und sie sagt, dass die Lehrerin sagt, es wird schon noch, wenn man es immer wieder anwendet. Was ich aber schon kapiere, ist, dass man nun die Choreographie vortanzen muss, um das Diplom zu bekommen. Die, die vorher gegangen sind, haben das Diplom mitgenommen. Martha tanzt alleine. Die anderen kneifen, in dem sie filmen, oder in Plateauschuhen da stehen. Ich will auch kneifen, habe aber kein Handy um zu filmen. Ich stehe in der Ecke und schaue auf den Boden, in der Hoffnung die Lehrerin übersieht mich ganz einfach. Die Lehrerin fordert mich und die Engländerin auf, wir müssen vortanzen. Martha tanzt mit, wir können auf sie schauen. Wir quälen uns durch die gesamte Bulería und sind stolz auf uns. Immerhin waren wir die einzigen, die sich das Diplom bis zum Ende verdient haben. Es steht "Certifica" drauf aber wird "Diploma" genannt. Und weil ich das Diplom in der Tasche habe, denke ich sogar daran, die Tasche heute mitzunehmen. Und ich war die einzige, für die diese Schritte völlig neu waren. Nun kann ich sagen, ich habe in Jerez Flamenco gelernt. Vor allem schnell!
Als ich nach dem Urlaub  meiner Mutter erzähle, wie schwer der Kurs war, will sie mich trösten: “Naja, ist ja auch kein Wunder. Bisher hast du ja noch keinen echten Flamenco gelernt.“